Kreimteim

Es ist 11 Uhr am Morgen, die kurze Nacht neigt sich unvorsichtig dem Ende entgegen.

Ich habe keinen Hund, dennoch muss ich an einen denken, den wohl klügsten Hund des Universums – Snoopy: Was kann ein Tag schon bringen, der mit Aufstehen anfängt?

Ich folge den Worten des Weisen, und drehe mich nocheinmal um. 

Es hilft nichts, es gehen mir die Sorgen durch den Kopf, die der alkoholische Schlaf in der Nacht in seinem Nebel hat verbergen können.

Der Tag beginnt also nicht mit Aufstehen, sondern mit wirren Gedanken. Nein, ich stehe auf, für Verwirrtheit bleibt im Alter genug Zeit. 

Der Tag fängt an. Draußen ist eine merkwürdige Unruhe, draussen auf der Straße. Blaulicht, Männer in grünen Uniformen, Komisch, keine in rot? Warum ist da kein Notarzt?

Nicht schon wieder ist mein erster Gedanke, nicht wieder diese Scherereien.

Es war vor einem Jahr, wenn ich recht nachdenke, es war genau vor einem Jahr, sogar die Uhrzeit stimmt, es ist jetzt 11 Uhr und 26 Minuten, das war es vor einem Jahr auch als es geschah. Um 11:26 muss ich auf sein, jedenfalls am Montag, da beginnt im Info-Radio der Sportblock mit den Bundesligaergebnissen vom Wochenende, Montags jedenfalls.

Letztes Jahr war ich ebenso verwirrt, aber noch ungeübt im Umgang mit der Verwirrung, trotzdem, nicht schon wieder meine Nachbarin. 

Letztes Jahr haben sie die junge Frau tot aus der Wohnung getragen, wenn ich jetzt aus dem Fenster sehe ist da schon wieder das grüne Auto der Gerichtsmedizin. Und wieder tragen sie einen Blechsarg aus dem Haus. Ist das jetzt noch Traum, oder stimmt es.

Ich gehe vor die Tür um es zu prüfen.

Es ist Realität, ich merke es sofort, denn ich habe keine Schuhe an und der eiskalte Pflasterweg beißt in den Füssen. Es ist drei Tage vor Weihnachten. Winteranfang.

Die Polizisten sind unfreundlich, sie sind etwas ruppig, aber wahrscheinlich bin ich nervig, soll vorkommen. Aber schließlich will ich dann doch wissen was passiert ist. Da steht Frau Lagoschki, die wohnt bei mir gegenüber, die weiß immer alles, auch von mir, also wundert sie sich über nichts – heute ist sie deutlich verunsichert.

“Ihre Nachbarin, es ist wie vor einem Jahr, wieder erstochen” Mir fällt nur eine blöde Frage ein “Wie die ist doch schon begraben, wer soll die erstochen haben” aber ich verkneife es mir. Die Nachbarin, die letztes Jahr erstochen wurde kannte ich ebensowenig wie die Leiche von heute, aber warum werden in meiner Nachbarwohnung jährlich und pünktlich 28 jährige junge Frauen erstochen, das machte mich misstrauisch.

Egal um diese Zeit kann ich nicht denken, erst einmal was in den Magen, dann kann ich anfangen zu denken. also gegen Mittag, was bei mir so um 16 Uhr eingeplant ist.

Autor: cws
Datum: Mittwoch, 28. Januar 2009 17:34
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