Von der Plapperkaste weggemobbt

Horst Köhler verstand sich als Bürgerpräsident. Er wollte ein Bürger sein, der seine Meinung, eine realistische Sicht auf die Welt ohne die Spielregeln der Parteipolitiker aussprechen wollte.

Eigentlich war Horst Köhler als Präsident genau der, der wir alle sein wollen. Er war im höchsten Staatsamt mit der Absicht einfach das zu sagen, was die meisten Menschen im Land denken, ohne die Fesseln der Political Correctness, aber doch unidiologisch Dinge auszusprechen, die sonst ungesagt blieben. Das war auch bei dem Interview so, das letztlich die Heuchelei ausgelöst hat, die ihn zum Rücktritt bewegt hat.

Mit dem Rücktritt von Horst Köhler sind letztlich wir alle gescheitert. Es ist endgültig die Hoffnung gestorben, dass ein normaler Mensch, einer wie Du und ich, der sagen will was er denkt, der offen ausspricht was er sieht, in der Politik überleben kann.

Heuchelei, Schönrederei, Falschheit und Prinzipienlosigkeit haben gegen den Menschen obsiegt, das ist die Tragik am Rücktritt von Horst Köhler.

Sein Rücktritt ist kein Wendepunkt, aber sein Rücktritt ist ein demokratisches Scheitern. Er hat für uns erklärt, dass es keinen Sinn hat gegen die Mikrobe der menschlichen Dummheit zu kämpfen. Arroganz und Falschheit sind in den Interviews vom Tage sind so deutlich zu erleben wie selten.

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Datum: Dienstag, 1. Juni 2010 7:15
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4 Kommentare

  1. 1

    Hier bin ich völlig anderer Meinung. Das Präsidentenamt ist kein Amt, in dem jemand “wie Du und ich” sagen kann, was er denkt. Ganz im Gegenteil. Das Amt des Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland ist ein repräsentatives Amt. Herr Köhler hat das Amt in der Tat gerne dazu benutzt, um seine (oftmals rein persönliche) Meinung kundzutun, ungeachtet der Tatsache, dass dies nicht die Aufgabe des Bundespräsidenten ist. Entsprechend oft hat er Diskussionen ausgelöst, die ihm nicht immer gefallen haben. Aber genau das ist Demokratie, wenn man eine Meinung hat muss man akzeptieren können, dass andere eine andere Meinung haben. Deshalb sollte ein Bundespräsident nach Möglichkeit neutral bleiben. Das wollte Herr Köhler nicht, er wollte unbequem sein.
    Würde des Präsidentenamtes bedeutet nicht, frei seine Meinung äussern zu dürfen ohne dafür Kritik bekommen zu müssen. Am Schluss hat Herr Köhler seiner Amtszeit die letzte Würde genommen, in dem er zurücktrat.
    Ich kann mich bewusst seit Walter Scheel an unsere Präsidenten erinnern und jeder seit Herrn Scheel war mehr ein Mann aus und für das Volk als Herr Köhler. Mehr noch, im Falle Horst Köhler hatte man manches Mal das Gefühl, er habe völlig den Kontakt zur Basis verloren.

  2. 2

    Wir sind uns doch einiger als Du denkst, in der Bewertung des Amtes, nur bedauere ich, dass es so ist.
    Für mch übrigens ein wesentliches Argument gegen Gauck, der will nach meinem Empfinden dasselbe wie Köhler. Er ist dabei wohl geschickter, aber letztlich will er die Nation mit seinem moralischen Gewissen führen.
    Da ist mir der Gedanke eine Basis für andere zu schaffen, wie Wulff es will, intelligenter, dem Amt angemessener, weil uneitler.
    Ich bin eigentlich ein Gauck-Fan, aber in der Rolle gefällt er mir im Moment weniger.

  3. 3

    da sind wir uns tatsächlich doch einiger. Ich habe Dich wahrscheinlich ein Stück weit missverstanden. Und, obwohl ich “links” möglicherweise mehr als nur “angehaucht” bin, gebe ich Dir, was Herrn Gauck als Kandidat der SPD/Grünen angeht, recht. Ich glaube aber, dass hier etwas ganz klug instrumentalisiert wird. Frau Merkel möchte gerne Christian Wulff, Joachim Gauck als Kandidat der SPD/Grünen wäre aber für viele CDU/FDP Politiker ein besserer Kandidat. Es wird in meinen Augen von der SPD ganz gezielt der Versuch unternommen, die Autorität von Frau Merkel auszuhöhlen, mit entsprechenden Folgen.

  4. 4

    Mein erster Gedanke als Köhler zurücktrat war auch, dass Merkel mit Gauck einen Kandidaten gehabt hätte, gegen den sich die SPD nicht hätte wehren können.
    Ein Stück weit ist er mir in seinem “Wahlkampf” jetzt etwas zu rückwärts orientiert.
    Das Thema DDR ist seit 20 Jahren Geschichte. Gauck hätte gut auch allgemeine moralische Ansätze in den Vordergrund stellen können. Die sind ja seine Stärke. Die Vergangenheit macht ihn glaubwürdig und integer, aber sie ist durch.
    Eigentlich ist es schade, dass so ein guter Mann dadurch zwangsläufig instrumentalisiert wird.

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