Ibn Chaldun erklärt arabisches Verhalten

Walī ad-Dīn ʿAbd ar-Rahmān ibn Muhammad Ibn Chaldūn al-Hadramī (* 27. Mai 1332 in Tunis; † 17. März 1406 in Kairo) war einer bedeutendsten arabischen Historiker. 

Er erklärt die Legitimität von Staatsmacht und ihre Wurzeln mittels des von ihm umgedeuteten altarabischen Begriffs der Asabiyya. 

Die Übersetzung dieses Begriffs Asabiyya stellt sich als schwierig dar – die Bedeutungen reichen von „Stammeszugehörigkeitsgefühl“, „Blutsbande“ und „Sippensolidarität“ bis zu „Gruppengefühl“ und Formen von Solidarität, die sich nicht allein auf Blutsverwandtschaft begründen (z.B. Klientelverhältnisse). 

Die Asabiyya ist bei Ibn Chaldun eine wesentliche Voraussetzung für die Gründung und für den Erhalt der weltlichen Macht in jeder Epoche der Geschichte. 

Ibn Chaldun geht davon aus, dass die radikalste Form des Zusammenhalts in der Asabiyya bei den Nomaden vorherrscht, die nicht zögern, ihre Asabiyya stets bis zum Äußersten zu verteidigen. 

Gelingt es nun einer Asabiyya, sich überregionalen Einfluss zu verschaffen, schließen sich ihr andere Gruppen an. Es entsteht eine Groß-Asabiyya. Ihr Einfluss kann so weit gehen, dass sie mit Hilfe ihrer neuen „Mitglieder“ sich ganze Königreiche und Imperien zusammenerobert. 

Da nichts erfolgreicher macht als Erfolg, schließen sich in der Folge immer mehr Gruppen und Einzelpersonen der wachsenden Asabiyya an und bereichern sie dadurch personell, kulturell und machtpolitisch. 

Ihre personelle Überdehnung führt allerdings auch dazu, dass die Asabiyya zunehmend an Energie verliert. Ihre führenden Köpfe wohnen nun auch nicht mehr in der Wüste, die den Menschen abhärtet, sondern in verweichlichenden Städten.
Die Asabiyya verliert an Gefährlichkeit, ihre Anhänger sehen sich nach würdevolleren und stärkeren Asabiyyen um, denen sie sich lieber anschließen wollen. 

So dauert es vom Aufstieg einer Assabiya zum Imperium bis hin zu ihrem Untergang stets nur vier Generationen.

Mehr Info bei Wikipedia: hier und hier.

Evolution 2.0 oder der Kampf der Kulturen.

Darwin gilt uns als Erfinder der Evolutionstheotie. Der Kernsatz ist der Gedanke des „survival of the fittest“.

Dises „survival of the fittest“ wird oft als das Überleben des Stärkeren übersetzt. Das ist falsch. Es geht nicht um Stärke, sondern um das Überleben der am besten angepassten Individuen. Das englische Wort „to fit“ bedeutet passen, es hat nichts mit Stärke zu tun.

Gleichviel ob durch Zufall bei der Reproduktion der DNA, oder durch äußere Einflüsse, es entstehen immer und fortlaufend Änderungen im Erbgut aller Lebewesen.
Diese Änderungen verändern das Lebewesen, egal ob Tier oder Pflanze, mal zum Vorteil, mal zum Nachteil. Diese kleinen oder großen Abweichungen, die Vor- oder Nachteile, lassen das Lebewesen anderen bei der Anpassung über- oder unterlegen sein. Sie wirken sich als Selektionsmerkmal aus

Allein dieser Mechanismus reicht aber nicht, um das Tempo der Evolution zu erklären. Es muss ein zweiter Faktor dazu kommen. Dieser Faktor ist die Zweigeschlechtlichkeit fast allen Lebens. Die Partnerwahl sorgt dafür, dass Lebewesen mit kleinen Vorteilen bevozugt werden. Der besser angepasste, der lebensfähigere Partner wird bevorzugt. Das gibt der Evolution erst das erforderliche Tempo.

Trotzdem bleibt die Frage unklar, warum sich der Mensch so rasant von der restlichen Tierwelt abgesetzt hat. Die biologische, die genetische Selektion allein kann das nicht etklären.
Ganz besonders die unterschiedliche Entwicklung der Menschen in versciedenen Kontinenten und Kulturen kann die genetische, biologische Selektion nicht erklären. Die genetischen Unterschiede zwischen den „Rassen“ sind keine Erklärung für die zivilisatorischen Unterschiede. Man darf wohl unter diesem Aspekt mit Recht sagen, alle Menschen sind gleich.

Der Erfolg der Spezies Mensch beruht auf einer anderen Idee, einer Erfindung der Natur, die es nur beim Menschen gibt. Einer Erfindung die der Evolution ein Tempo verleiht, das andere Spezies nicht erreichen, dass den Menschen von dem biologisch genetischen Tempo abkoppelt. Eine Erfindung, die der Anpassung ein völlig neues Tempo gegeben hat.

Diese Erfindung nennen wir Kultur, Lebensweise oder auch Wertesystem. Kultur zeigt sich in der Art miteinander umzugehen, ebenso wie im Verhältnis zur Natur. Unsere Kultur ist christlich, naturwissenschaftlich geprägt. 

Kultur ermöglicht es dem Menschen sich selbstbestimmt und eigenverantwortlich an die ihn umgebende Welt anzupassen. Die Kultur und die damit verbundenen Lebens- und Verhaltensweisen lassen Anpassungen möglich werden, die keine biologischen Veränderungen erfordern.

Die Entwicklung kultureller Unterschiede ist nichts anderes als Evolution 2.0, es ist das Überwinden der biologischen Schranken der Evolution.

Was aber nicht überwunden ist, das sind die Verhaltensweisen der biologischen Selektion.
Es ist notwendig Kulturtechniken zu entwickeln, die den zivilisatorischen Wettbewerb erhalten, aber die „Reibungsverluste“ des „Clash of Civilizations“ verhindern.

Zum Wttbewerb gehören aber auch verschiedener Wege und das Anerkennen verschiedener Ziele. Was „Erfolg“ ist, was ein sinnvolles Ergebnis der Evolution, was überhaupt ein sinnvolles Ziel ist, egal ob biologisch oder kulturell entstanden, das ist von den Betroffenen nur schwer bis garnicht zu entscheiden. Daraus ergeben sich oft unüberwindbare Schranken, denn jeder sieht sich auf dem richtigen Weg. Das muss er auch, denn sonst funktioniert weder die biologische, noch die kulturelle Evolution.

Flüchtlingskrise? Nein, es ist viel schlimmer.

Was wir als Flüchtlingskrise wahrnehmen ist keine eigenständige Krise, die Flüchtlingskrise ist nur eine Folge des eigentlichen Problems. 

Das eigentliche Problem sind die Maßstäbe und Argumente, die immer mehr die Regeln ersetzen, die wir uns gegeben haben. 

Statt der Regeln, der Gesetze, haben wir andere Maßstäbe entwickelt. Soziale Gerechtigkeit, moralische Pflichten, freundliche Gesichter. Den Kampf gegen das Böse von Rechts, gegen die Dummheit des Bürgers und seine Uneinsichtigkeit in die neuen Werte. 

Der Kampf gegen die Uneinsichtigkeit des Bürgers darein, dass er seine Rechte nicht wahrnehmen kann, dass anderen Sonderrechte eingeräumt werden, dass aus guten Gründen mit zweierlei Maß gemessen werden muss. 

Wer den richtigen Werten folgt braucht die Gesetze nicht zu achten.
Moral geht vor Recht. 

Das Problem dabei ist, dass wir damit den Rechtsstaat aufgeben, dass der Bürger nicht mehr darauf vertrauen kann, dass die Regeln für alle gelten. Die Regeln gelten für ihn, aber nicht für den Staat wenn er scheinbar wichtige Gründe hat es anders zu machen. 

Das hat Folgen: 

  • Das Vertrauen in den Staat verschwindet, das Vertrauen in staatliches Handeln schwindet. 
  • Die Beteitschaft sich als Teil des Staates zu sehen schwindet, wir sehen es an der Wahlbeteiligung.
  • Die Bereitschaft sich nach den allgemeinen Gesetzen zu richten schwindet.
  • Das staatliche Gewaltmonopol wird in Frage gestellt. 

Der Schwund des Rechtsstaates gefährdet Demokratie und Staat. 

Was hat das mit den Flüchtlingen zu tun? Wir können von ihnen lernen. 

Wir lernen von den Flüchtlingen, besonders denen auf der Kölner Domplatte am 31.12.2015, wie das Verhalten aussehen wird, wenn man es nicht gewohnt ist in einem Rechtsstaat zu leben und wenn man nicht sozialisiert ist Gesetze zu beachten. 

Die Flüchtlinge kommen aus einer Gesellschaft die solches Verhalten schafft, weil sie kein Rechtsstaat ist, weil das staatliche Gewaltmonopol dort nicht existiert. 

Wir müssen uns hüten den Rechtsstaat zu verlieren, denn die daraus folgende Willkür ist ein wesentliches Merkmal der Diktatur, die nach der Moral des Diktators entscheidet , egal wie verbrecherisch sie auch immer ist. 

November 2015


Bin gespannt, wie man das im November 2016 wahrnimmt.

Z. B. ab 9:30 

„Unser Land wird sich ändern, und zwar drastisch.
Und ich freue mich drauf!“

Schlimm, schlimmer, Heiko

„Das Ganze scheint abgesprochen gewesen zu sein,“ sagte Maas an diesem Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. „Es wäre schön, wenn das keine organisierte Kriminalität wäre, aber ich würde das gerne mal überprüfen, ob es im Hintergrund Leute gibt, die so etwas organisieren.“ So etwas passiere nicht aus dem Nichts, es müsse jemand dahinterstecken.
Quelle

Ich kann nur hoffen, dass dies eine der üblichen Dummschwätzereien des Heiko Maas ist, dass dies keinen sachlichen Hintergrund hat. 

Stellen wir uns vor, es gäbe diese vom (Bundes-)Minister vermuteten Strukturen. 
Was würde das bedeuten?
Was würde das über Parallelgesellschaften, über versteckte Netzwerke, über den funktionierenden Staat, über das für uns alle existenziell wichtige Gewaltmonopol des Staates aussagen?

Was würde es aussagen, wenn all diese Strukturen bisher völlig verborgen geblieben wären? Was, wenn nicht?

Ich hoffe was Maas hier sagt, das sagt mehr über ihn, als über irgendwelche Strukturen aus. 
Dann allerdings sagt es auch etwas über die Fähigkeiten und die Eignung des Ministers für sein Amt aus. Das fehlbesetzteste Amt in der ganzen Flüchtlingsdiskussion dürfte wohl der Bundesminister der Justiz sein. 

Das Interesse wird erloschen werden. Möglichst bald.

Polizeipräsident Albers bezeichnete die Übergriffe als „Straftaten einer völlig neuen Dimension“. Es sei ein „unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden“. Auch NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) reagierte scharf: „Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen“, zitierte ihn der Kölner „Express“. 
Quelle

Es wäre schlimm, wenn die Überschrift zutreffen würde. 
Aber es gilt noch immer, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Natürlich müssen wir uns hüten diese Vokommnisse mit der aktuellen Flüchtlingssituation, oder gar dem Islam und seinem Gesellschafts- und Frauenbild zu verbinden. 

Es kann nur an unserer aller falschem Verhalten liegen, wir müssen unsere Anstrengungen steigern, um unserer Verantwortung für diese traumatisierten Menschen gerecht zu werden. 

Im übrigen sollte die Polizei am besten die üblichen Bekannten verhaften. Das da dann auch welche bei sind, die aus Casablanca kommen, ist natürlich Zufall. 

  
Quelle

Was wäre eigentlich an Reaktionen zu erwarten gewesen, wenn die Gruppe aus der heraus eventuell einzelne Unbekannte Straftaten begingen braune Springerstiefel an den Füßen gehabt hätten? 

Nachtrag: Passender Artikel in der FAZ – Gut, dass wir das Feuilleton haben, das wirds richten. Danke!

Zum neuen Jahr

Der Philosoph Martin Heidegger hat davon gesprochen, dass wir im Modus des ‚man‘ leben.

Wer im Modus des ‚man‘ lebt, der tut das, was alle tun – oder zumindest alle aus der Gruppe, zu der man dazugehören möchte. Man denkt und lebt, wie jedermann denkt und lebt. Man sucht nicht sein eigenes Leben, seine eigene Meinung, seine eigene Stimme. Man findet das gut, was alle gut finden. Man schwimmt mit der Masse. Mit einem individuellen, selbstbestimmten Leben hat das herzlich wenig zu tun.

Quelle

Das Man als das Wer des alltäglichen Daseins

Mit dem Terminus Man fasst Heidegger den kulturellen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund des Daseins. Der Mensch ist als kulturelles Wesen stets auf ein Überlieferungsgeschehen angewiesen und durch dieses bestimmt. Die Summe der kulturellen und gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen nennt Heidegger Faktizität. Von ihr kann niemals abgesehen werden, da sie wesentlich zum Mensch als kulturelles Wesen gehören. Wird dem Dasein seine Bestimmung durch die Tradition jedoch nicht bewusst, so ist es den vorgegebenen Verhaltensmustern und Anschauungen ausgeliefert. Diesen Zustand des Ausgelieferseins nennt Heidegger uneigentlich.

Quelle

Kulturtechnik – 140 Zeichen Anteilnahme

Am Heiligabend stirbt ein Polizist am Herborner Bahnhof. Ein 27 Jahre alter Mann war mit einem Messer auf ihn und einen Kollegen losgegangen.

Der hessische Ministerpräsident Thorsten Schäfer-Gümbel bekundet den Angehörigen sein tief empfundenes Beileid. 

Hat er sie angerufen, um sie über den Tod des Vaters, Mannes, Freundes oder Sohns zu informieren?
War er womöglich persönlich im Haus der Familie, um Trost zu spenden?

Nein heute beherrschen wir moderne Kulturtechniken, um in solchen Fällen unser Mitleid unsere Anteilnahme zu veröffentlichen. 

Zu veröffentlichen, nicht etwa Gefühle von Leid, Verzweiflung, Trauer mit den betroffenen Familien zu teilen. Die werden vielleicht nicht zuerst nach dem Handy greifen, wenn Sohn oder Mann und Vater ermordet wurden, um nach Beileidsbekundungen bei Twitter zu suchen. Warum auch? An die Betroffenen richtet sich die tief empfundene Anteilnahme nicht. 

Gibt es dafür eigentlich schon einen passenden Hashtag? #Mordstrauer oder #GbF+ (Gedanken bei Familien Verstorbener) wären schön dafür. 

Heute ist man virtuell bei den betroffenen Familien. Heute sieht persönliche Betroffenheit so aus:

  
Heute sind Trauer Mitleid und Anteilnahme virtuell. Nur wird es nicht gelingen, dass auch Verzweiflung, Trauer und Angst virtuell werden, denn das Leben, Leid und der Tod sind real. 

Deshalb kann es tief empfundene Anteilnahme auf Twitter nicht geben. Nein, das finde ich geschmacklos, heuchlerisch, verlogen, kurz fürchterlich. 

140 Zeichen Anteilnahme für den Ermordeten an Heiligabend – Schöne neue Welt.