Ist Google auf dem Weg zum Contentprovider?

Der Streit um das Leistungsschutzrecht, die in den USA schon neu gestaltete Bildersuche, die Probleme zwischen GEMA und Youtube fügen sich zunehmend zu einem Gesamtbild.

Google nutzt fremde Inhalte ohne Bezug zum Erstellter, so liest man, um Information darzustellen, um damit Geld zu verdienen. Der Vorwurf lautet dabei, dass Google mit fremden Inhalten (Werbe)Einnahmen generiert, ohne eine eigene Leistung zu erbringen, dass Google die Leistungen Anderer missbraucht, ohne Gegenleistung nutzt, und deren Rechte missachtet.
In Zukunft kann dies das Internet völlig verändern.

Google scheint den unausgesprochenen Deal “Tausche Besucher, Kunden gegen Inhalte” zu brechen. Die kostenlose Nutzung von Informationen findet statt, ohne dass der Anbieter, der Ersteller oder Urheber der Information eine Gegenleistung in Form der Vermittlung von Besuchern, von Klicks auf seine Website erhält.

Konsequent zu Ende gedacht baut Google ein eigenes werbefinanziertes »Sub-Internet« aus fremden Inhalten. Eine Art Meta-CMS. Das scheint perspektivisch von Google beabsichtigt. Google will langfristig nicht verlinken, sondern die Fragen selbst beantwortn, Google will auf eine Suchanfrage mit Content antworten.

Ich glaube aber nicht, dass dieses Vorgehen erfolgreich sein kann solange das Interesse der Ersteller fehlt Inhalte zur Verfügung zu stellen. Das Interesse der Ersteller muss durch eine neue Infrastruktur gestützt werden, die den Erstellern der Inhalte, egal ob Texte, Bilder oder Videos, einen Anreiz gibt Inhalte anzubieten. Darin besteht zur Zeit der Kern des Streits um das Urheber-und Verwertungsrecht. Wie werden die Ersteller beteiligt?

Google kann, ich vermute will, zu einem Contentprovider werden, der Content kauft, um ihn zu vermarkten. Vermarkten durch Werbung und Beteiligung der Ersteller an den Einnahmen. Die Ersteller der Angebote haben keine eigenen Websites mehr, sondern geben nur noch GoogleDocs frei.

Das klingt auf der einen Seite nicht unattraktiv, es würde dem User, dem Informationsersteller, wie auch dem Konsumenten der Information viele Funktionen vereinfachen, es erschiene mir aber auf der anderen Seite grauenvoll, weil es ein Einheitsnetz wäre.

Für Presseverlage könnte die Grundidee, egal ob mit oder ohne Google, durchaus ein Weg sein das Paywall-Problem sinnvoll zu lösen. Insgesamt würde es aber die Vielfalt und Freiheit des Internet zerstören. Das Internet, wie wir es kennen wäre tot, wir alle wären ärmer.

2 Gedanken zu „Ist Google auf dem Weg zum Contentprovider?

  1. ametzelchen

    Ich gestehe, mein Hemd ist mir (unreflektiert) näher als die Hose, soll heißen, für mich als User ist es angenehmer, wenn ich ein Bild suche, nicht erst über die Originalseite, wo das Bild Teil eines Gesamtbeitrages ist, klicken muss. Reflektiert betrachtet jedoch, kostet das einen Preis – nämlich den, dass das Internet an Vielfalt und “Freiheit” (ein großes Wort, bei dem ich immer überlege, ob es nicht zu groß ist) verlieren könnte. Wer will das schon? Danke jedenfalls für die Anregung, darüber intensiver nachzudenken.
    Niggemeier hat sich ja auch schon geäußert http://www.stefan-niggemeier.de/blog/dreist-und-dumm-die-neue-bildersuche-von-google/

  2. Cws

    Ich gestehe, dass Stefan Niggemeier den Gedanken ausgelöst hat.
    Aber dort scheint mit, auch in den Kommentaren, die Sache noch nicht in ihrer möglichen Entwicklung gesehen zu werden.
    Die ganze Diskussion verengt sich auf Klickzahlen und Urheberrechte. Das scheint mir deutlich zu kurz gedacht.

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