Dieser Text stammt aus der Berliner Zeitung, er ist ein Zeitdokument.
Unsere Grundrechte geraten in Vergessenheit, nicht erst seit Corona. Jetzt werden Kritiker abgestraft, die sich gegen die deutsche Russlandpolitik stellen.
Ortwin Rosner, 22.5.2022 – 08:04 Uhr
Es gibt einen schleichenden Verfall dessen, was man grob mit den Begriffen „Grundrechte“, „Demokratie“ und „Meinungsfreiheit“ kennzeichnet. Wer das nicht glauben will, dem sei das anhand eines Beispiels illustriert. Er soll die Berichterstattung vor dem Angriff der Amerikaner auf den Irak im März 2003 mit der derzeitigen Atmosphäre in der Medienlandschaft vergleichen.
Damals gab es Proteste, und sie bekamen meiner Erinnerung nach nicht nur einigen Raum in den Leitmedien, es waren punktuell sogar gewisse Sympathien für den Widerstand gegen den Krieg erkennbar. Jedenfalls wurde keiner der kritischen Menschen, die damals auf die Straße gingen, als „Querdenker“, „Schwurbler“ oder „Hussein-Versteher“ abgekanzelt, und das, obwohl jedem klar war, dass es sich bei dem irakischen Staatschef Saddam Hussein um einen äußerst grausamen Diktator handelte, weit jenseits dessen, was man dem russischen Präsidenten Wladimir Putin anlasten könnte. Man redete nämlich nicht bloß in Kampfbegriffen, man bemühte sich wenigstens dem Anschein nach noch um so etwas wie Argumente pro und kontra, um einen offenen Diskurs.
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