Pegida, ein selbstgemachtes Problemsymptom

MOPO24: Herr Patzelt, letzten Montag tauchte bei der PEGIDA-Demo ein Galgen auf, auch der Ton der Reden wird scheinbar schriller. Droht eine weitere Eskalation?

Prof. Werner Patzelt: Der Ton wird rauer, weil bei denen, die ein Jahr lang zu PEGIDA gegangen sind, das Maß an Verbitterung und Zorn natürlich steigt. Sie haben das Gefühl, die ganze Zeit recht gehabt zu haben, wenn in der Asylpolitik jetzt der Bundestag beschließt, was sie vor einem Jahr schon gefordert haben. Und dafür sind sie als Faschisten und Rassisten beschimpft worden.
Ein lesenswertes Interview

Beruhigende Nachrichten

Heute mal BND bei Google in die Suchzeile eingegeben. Oben an stehen dann die aktuellen Google-News:

  

Prima, die Jungs sind besser als ich es ihnen zugetraut hätte. 😊

Fiel also nicht nur mir auf.

Jüngst hat das Blatt dem kleinen Pegida-Galgen mehrere Artikel gewidmet, um den helldeutschen Abscheu vor solchen Symbolen zu verkünden. Brav. Über die riesige Guillotine mit blutbeschmiertem Fallbeil für Sigmar Gabriel auf der TTIP-Demonstration in Berlin, die auf Rädern transportiert werden musste, waren ähnliche Bekundungen nicht zu lesen. Politisch korrekt darf offensichtlich nach Herzenslust guillotiniert werden. Das ist nur ein Beispiel für die helldeutsche Doppelmoral, mit der wir es täglich zu tun haben.

Mehr hier von Vera Lengsfeld.

Nachtrag 17.10.15
Aus der FAZ:

 

Der Mann hat Recht, aber ist er bei linker und islamistischer Gewalt ebenso konsequent?

Ich bin kein Pegida-Fan, aber zweierlei Maß ist eine Pro-Pegida Veranstaltung, Wasser auf die Mühlen der Pegida. So hilft Maas nicht der Demokratie, er schadet ihr. Mal wieder

Heiko Maas vertritt eine meinungsabhängige Gerechtigkeit, solche Leute schaden Demokratie, Staat und Gesellschaft. 

  
@danielmack

Auf den Pott gesetzt

„Nichts von dem, was in der Bundespolitik diskutiert wird, hat noch praktische Relevanz, wenn die Arbeitsebene das nicht mehr umsetzen kann.“
FAZ 16.10.15
 

Schön, dass es schon bemerkt wird, es gilt aber nicht nur für die Flüchtlingsprobleme. Dieser Satz beschreibt das deutsche Drama perfekt. 

Der Satz definiert in seltener Klarheit was unter abgehobenen Politikern und Realitätsferne zu verstehen ist. Wenn sich die hierin ausgedrückte Erkenntnis Weg bricht, dann hat die Flüchtlingskrise dieses Land einen so großen Schritt vorangebracht, dass ich mir fast noch eine Million Migranten wünschte. 

Das Wichtigste was dieses Land braucht ist die Rückkehr in die Wirklichkeit, das Ende der Illusion von der Guten und Schönen Welt und ihrer moralisch wertvollen Menschen. 

Ich kann da nur die Kanzlerin zitieren: „Wir schaffen das“, und die Flüchtlinge werden Deutschland so vielleicht mehr und ganz anders bereichern, als die Willkommens-Komiteesees sich dachten. 

Wo sie Recht gehabt hatte, da hatte sie Recht gehabt. 

Manche unserer Gegner können es sich nicht verkneifen, uns in der Zuwanderungsdiskussion in die rechtsextreme Ecke zu rücken, nur weil wir im Zusammenhang mit der Zuwanderung auf die Gefahr von Parallelgesellschaften aufmerksam machen. Das, liebe Freunde, ist der Gipfel der Verlogenheit, und eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wir ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen. Deshalb werden wir auch weiter eine geregelte Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung fordern.

Angela Merkel CDU-Parteitag, Leipzig 2003

Merkel oder die gefühlte Notsituation

„Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land“

Welche Notsituationen?
Befinden wir uns in einer Notsituation?
Das kann ich noch nicht erkennen.

Meint Frau Merkel andere befinden sich in Notsituationen?
Da hat sie Recht. Es gibt weltweit mehr Menschen deren Leben wir als Notsituation empfinden würden als solche ohne Not. 

Wenn wir deeshalb immer ein freundliches Gesicht machen, dann werden wir in unserem Leben aus den Grinsen nicht mehr herauskommen, allerdings wird uns das Lachen dabei vergehen. 

Ein freundliches Gesicht hilft niemandem, aber mehr können wir den Notleidenden nicht bieten, denn das schaffen wir nicht, sie alle aus ihrer Not zu befreien. 

Was unterscheidet die Not der Einen von der der Anderen?
Was ist mit der Not der Nordkoreaner, der Menschen in Tibet nach dem Erdbeben, mit der Not der Menschen in Afrika? Gibt es Notleidende vielleicht noch anderswo?

Was ist mit denen (Stichwort Pflege, Altersarmut, ledige Mütter) hier im Land? Leiden sie auf so hohem Niveau, dass Sie denen kein freundliches Gesicht zeigen müssen?

Warum tun Sie es dann nicht? Ist es trotzdem noch Ihr Land?
Wenn ich mir den Verlust an Rechtsstaatlichkeit zu Gunsten einer undefinierbaren „sozialen Gerechtigkeit“ und geheuchelten „Menschlichkeit“ ansehe, dann zweifle ich manchmal daran, dass dies noch mein Land ist. 

Merkel oder die Distanzierung von der Politik

Sätze die mit „Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir …,“ und mit „dann ist das nicht mein Land“ enden sind ein Zeichen von Frustration, von Distanz zu Politik und Gesellschaft. 

Der Satz ist eine Abwandlung des
„Wenn man nicht mal mehr sagen darf, dass …“

Wer einen solchen Satz sagt fühlt sich ausgegrenzt, in eine Ecke gestellt, in der er sich selbst nicht sieht. Wer den Satz sagt fühlt sich abseits der politischen Hauptlinie, er fühlt sich moralisch ausgegrenzt und ist distanziert gegenüber Land und Gesellschaft. 

Wer den Satz beendet mit „dann ist das nicht mehr mein Land“, der fühlt sich nicht nur in einer Distanz zur Politik, sondern zum Land, er sieht wie die gesellschaftliche Entwicklung sich von ihm entfernt, er sieht sich hilflos aber im Recht in einer ungerechten Umgebung. 

Wenn die Kanzlerin einen solchen Satz sagt, dann ist was faul im Staate. 

Bezug: Video

Kultur steht in der FAZ

Heute berichtet die FAZ über einen neuen Trend in China: 

Ein neuer Trend erobert China, besser gesagt: die Häupter der Chinesen. Männer wie Frauen schmücken sich das Haar neuerdings mit Plastikblumen, die wie Antennen aussehen. Sehen Sie selbst!

Das finden wir wahrscheinlich albern, blöd, typisch – China eben. 

Aber ist es wirklich alberner, als die gesellschaftliche Konvention in unserem Kulturkreis, sich bunte Stoffstreifen um den Hals zu binden?

Sehen sie selbst:

  

Bildquelle

„Der Marsch“ – BBC 1990

Der Marsch ist ein britisches Fernseh-Drama aus dem Jahr 1990. Der Film des Regisseurs David Wheatley über den Auswanderungsdruck aus den Entwicklungsländern ist eine Literaturverfilmung, die auf einen Roman von William Nicholson basiert.
Wikipedia

https://www.youtube.com/watch?v=IFeu8jEQ2TA

Der Verstand entscheidet garnichts

Die Zeit, Donnerstag 10.9.2915 

Ohne den Anblick des Leidens gibt es kein Mitleid. Und ohne Mitleid kein entschlossenes Eingreifen.

Dieser kurze Ausschnitt aus dem Teaser des Artikels „Warum wir hinschauen müssen“ zeigt anschaulich wie, besser warum unser Handeln falschen Gründen folgt, und unser Journalismus ein falsches Bild der Welt vermittelt. 

Wir bekommen ein emotionales Bild der Welt und wundern uns dass es emotionale, aber keine rationalen Entscheidungen gibt. 

Wir sollten uns dessen bewusst sein, um zu erkennen wann wir warum entscheiden.